Die Orientierungsbibel


Übersicht gewinnen - Zusammenhänge verstehen

Von den bekanntesten Texten der Bibel hat fast jeder schon einmal gehört: von der Schöpfungsgeschichte, den Zehn Geboten, dem Vaterunser. Viele Christen kennen noch weit mehr Texte aus Gottes Wort. Doch oft sind das einzelne Geschichten, die im Gedächtnis nebeneinanderstehen. Wie hängen sie aber miteinander zusammen? Was gehört wohin in der Bibel? Wie war das noch – wer lebte früher: Mose oder Abraham? Samuel oder Salomo? Um die Heilige Schrift wirklich zu verstehen, braucht es ein Verständnis für die großen Zusammenhänge. Die übergreifenden Erzählbögen und die roten Fäden, die sich durch die ganze Bibel ziehen, sollte man kennen. Auch ein Einblick in die zeitliche Abfolge der einzelnen Ereignisse ist hilfreich.

 

Bibeltext mit Rahmenwerk

Zu diesem Zweck wurde die Orientierungsbibel entworfen. Sie will den Lesern auf jeder Doppelseite des Bibeltextes zeigen, wo sie gerade sind: an welcher Stelle innerhalb des betreffenden biblischen Buches und auch an welcher Stelle der großen Geschichte Gottes mit den Menschen. Der fortlaufende Bibeltext ist deshalb eingebettet in ein Rahmenwerk, das zur Übersicht verhilft. Es besteht aus der Kopfund der Fußzeile, der Randspalte auf jeder linken Seite und aus mehr als 300 kleinen Textboxen, die in den Bibeltext eingestreut sind. Wozu diese einzelnen Elemente dienen, wird weiter unten erläutert. Das Besondere an den Orientierungshilfen in dieser Bibelausgabe ist: Sie unterbrechen den biblischen Text nicht. Die Abfolge des Textes bleibt intakt und man kann diese Bibel auch »einfach so« lesen, ohne Seitenblick  auf den Rand. Das ist die eine Möglichkeit: die Bibel sozusagen senkrecht, von oben nach unten zu lesen. Die andere Möglichkeit ist, Seitenblicke zum Rand hin zu tun. Die Orientierungshilfen dort (und oben und unten auf jeder Doppelseite) zeigen die Querverbindungen auf: wie der einzelne Abschnitt mit dem Großen und Ganzen zusammenhängt. So kann man zum Beispiel sehen, welche Position das Kapitel 1. Mose 37 in der Gesamtanlage des ersten Mosebuches einnimmt.

 

Hummelblick und Adlerblick

Auf diese Weise verbindet die Orientierungsbibel zwei Methoden, die Bibel zu lesen: den Hummelblick und den Adlerblick. Wie eine Hummel jede Blüte einzeln anfliegt und dort verweilt, so konzentriert sich der Hummelblick auf einen einzelnen Bibelabschnitt, vertieft sich in ihn und versucht, alles Nahrhafte und Wohlschmeckende herauszusaugen, was er finden kann. Der Adlerblick dagegen hat sich ganz hoch geschwungen und kann das gesamte Panorama übersehen. Bibelleser brauchen immer beide Sichtweisen. Um den Adlerblick zu schärfen, dienen die Angaben in der Randspalte, der Kopf- und der Fußzeile. Für den Hummelblick ist der Bibeltext in den übrigen Spalten da. Der Hummelblick wird auch mit jeder anderen Bibelausgabe bedient, die erhältlich ist. Der Adlerblick aber braucht eine besondere Bibelausgabe, die eine Panoramasicht ermöglicht. Das will die Orientierungsbibel sein.

 

1. Die Kopfzeile: Reihenfolge der biblischen Bücher

Quer über jede Doppelseite ist ein Ausschnitt aus der Abfolge der biblischen Bücher abgedruckt. Das betreffende Buch, das man gerade aufgeschlagen hat, ist dabei fett gedruckt. So erfährt man, an welcher Stelle der Bibel sich das gerade gelesene Buch befindet. Weil diese Kopfzeile auf jeder Seite wiederholt wird und der Blick öfter auch unwillkürlich hierhin fallen wird, prägt man sich vielleicht sogar nebenher die Reihenfolge der biblischen Bücher ein, ohne sie mühsam auswendig zu lernen. Die biblischen Bücher sind auch am Ende des Neuen Testaments so angeordnet, wie es in der Christenheit allgemein üblich ist. Das heißt: Der Hebräer- und der Jakobusbrief sind nach dem Philemonbrief platziert. Einzig die Lutherbibel macht hier eine Ausnahme (weil Martin Luther den Hebräer- und Jakobusbrief für schwächer als die anderen Briefe hielt). Bisher haben sich die meisten Ausgaben der Neues-Leben- Bibel Luthers Reihenfolge angeschlossen. Doch wenn es um Orientierung geht, sollten die Leser mit der Folge vertraut werden, die allgemein anerkannt und in den meisten Bibeln enthalten ist. Deshalb folgt die Orientierungsbibel nicht der Vorgabe Luthers. Wer die Reihenfolge der neutestamentlichen Bücher bisher nach Luther gelernt hat, kann sich mit einer Gedächtnisstütze für die hier vorliegende Reihenfolge helfen: Nach den Briefen von Paulus an einzelne Personen (Timotheus, Titus, Philomon) kommen die allgemeinen Kirchenbriefe. Sie beginnen mit der größten Gruppe, den Hebräern. Die Absender der folgenden Briefe sind so angeordnet, wie Paulus in Galater 2,9 die »Säulen der Gemeinde« aufzählt: »So kam es, dass Jakobus, Petrus und Johannes, die als Säulen der Gemeinde gelten, die Gabe, die Gott mir verliehen hatte, anerkannten ...« Hier ist von Paulus sicher eine Rangordnung angegeben, wie sie damals galt. Jakobus stand als Bruder des Herrn Jesus vor Petrus. Der andere Bruder von Jesus, Judas, schließt die Reihe der allgemeinen Kirchenbriefe dann ab: Hebräer? Jakobus?1. Petrus?2. Petrus ? 1. Johannes ? 2. Johannes ? 3. Johannes? Judas?Offenbarung.  

 

2. Die Fußzeile: Zeitleiste der biblischen Chronologie

Am Seitenende ist jeweils quer über eine Doppelseite eine Zeitleiste gesetzt. Sie enthält den Zeitraum, von dem das jeweils aufgeschlagene biblische Buch handelt, und stellt diese Zeit in den größeren Zusammenhang. (Die Abfassungszeiten der biblischen Bücher, soweit man sie überhaupt ermitteln kann, sind hier nicht berücksichtigt.) Für den Auszug aus Ägypten und die Landnahme sind in dieser Zeitleiste zwei verschiedene Möglichkeiten angegeben. In der theologischen Wissenschaft wird seit längerer Zeit die Spätdatierung (Exodus um 1270 v.Chr.) deutlich bevorzugt. Auch viele konservative Werke zur Bibel halten diese Möglichkeit für denkbar (so z.B. das Lexikon zur Bibel, hg. von Fritz Rienecker und Gerhard Maier). Diese Spätdatierung steht allerdings nicht im Einklang mit der Chronologie, wie sie sich aus der Zusammenschau bestimmter Schriftstellen zwangsläufig ergibt. Die innerbiblisch vorausgesetzte Frühdatierung (Exodus ca. 1446 v.Chr.) gewinnt in der Wissenschaft zunehmend Fürsprecher, denn einige archäologische Befunde werden neu bewertet. Aus diesem Grund ist in der Zeitleiste die Spätdatierung durch graue Hinterlegung zurückhaltend dargestellt. Zusätzlich zu wichtigen Ereignissen sind ausgewählte Personen der biblischen Geschichte eingetragen. Bei den Königen nach Salomo ist jeweils angegeben, ob sie das Nord- oder das Südreich regierten. Eine weitere, umfassende Zeittafel ist auf den farbigen Seiten im Anhang dieser Bibel zu finden. Hier ist allein die Frühdatierung des Exodus wiedergegeben.  

 

3. Der Überblick über den Aufbau der biblischen Bücher

Fast jedes biblische Buch hat seine innere Gliederung, und der Bibeltext zeigt diese Gliederung auch oft durch bestimmte Hinweise an. Es ist für das Verständnis eines einzelnen Abschnitts bedeutsam zu wissen, an welche Stelle des Buches er gehört. So hat z.B. das Buch des Propheten Hesekiel einen Teil, der eher Unheilsprophetien für Gottes Volk enthält, einen weiteren, der sich an Völker außerhalb Israels richtet, und schließlich zwei Teile, in denen es um Wiederherstellung und heilvolle Zukunftsschau geht. Oder der Römerbrief hat grundsätzlich darlegende Teile wie auch ethisch anwendende. Ein kurzer Blick in die linke Spalte zeigt, wie der gerade gelesene Bibelabschnitt sich zuordnet. Weil die einzelnen biblischen Bücher unterschiedlich lang sind, sind auch die grauen Kästen in der Leiste am linken Seitenrand unterschiedlich groß. Bei einem Buch mit vielen Kapiteln sind die Kästen kleiner (z.B. bei den Psalmen). Wenn ein Buch nur wenige Kapitel hat, sind die Kästen größer (z.B. bei Amos). Die schematische Leiste für den Aufbau der biblischen Bücher hat also nicht überall denselben Maßstab. Eine zusätzliche Orientierungshilfe ist der »Tönungsgrad« am linken Rand der schematischen Leiste. Je dunkler der Balken getönt ist, desto mehr biblische Kapitel sind hier vertreten. Je heller er ist, desto weniger Kapitel sind angegeben. Die schematische Leiste zum ersten Buch Mose ist dafür ein gutes Beispiel.  

 

 

 

4. Die Inhaltsangabe für jede Doppelseite

Wenn man die Bibel irgendwo aufschlägt und zu lesen beginnt, ist es nützlich, einen schnellen Überblick zu haben, worum es auf der betreffenden Doppelseite gerade geht. Dazu hilft die weiße Textbox im unteren Drittel der linken Spalte. Sie enthält nicht nur die Angabe der Kapitel, die von der betreffenden Doppelseite abgedeckt sind, sondern auch eine kurze Inhaltsangabe. Zusammen mit den fett gedruckten Zwischenüberschriften liefert diese Inhaltsangabe eine rasche erste Orientierung. Sie ist auch hilfreich, wenn man eine bestimmte Stelle aufblättern will, von der man nur ungefähr weiß, wo sie steht.

 

 

 

5. Die Angabe der heilsgeschichtlichen Phase

In der grauen Textbox unten in der linken Spalte steht eine Art Zeitangabe. Hier ist aber nicht einfach ein bestimmter datierbarer Zeitraum gemeint, sondern jeweils der Abschnitt im Ablauf von Gottes Heilsgeschichte, der für die aufgeschlagenen Kapitel zutrifft. Dieser Angabe liegt eine bestimmte Auffassung von Gottes Heilsgeschichte zugrunde, nämlich dass Gott zu verschiedenen Zeiten verschiedene Weisen hat, mit den Menschen umzugehen. Dieses Verständnis von Heilsgeschichte wird in Kapitel II dieser Einführung ausführlich erläutert. Dort werden auch die acht verschiedenen Phasen genannt, in die man die Geschichte Gottes mit der Welt gliedern kann. Wichtig zu beachten ist: Es handelt sich hier nicht um ein starres Schema, sondern um eine zusätzliche Verstehenshilfe. Die einzelnen heilsgeschichtlichen Phasen sind nicht strikt voneinander abgetrennt, sondern es gibt Übergänge zwischen ihnen. Jeder Text aus Gottes Wort spricht grundsätzlich zu allen Zeiten und auch heute – egal, welcher Geschichtsepoche man ihn zuordnen kann.

 

6. Die Kurzkommentare zu sieben Hauptthemen der Bibel

Jedes Buch der Bibel ist wie eine eigene Welt. Viele Bücher haben ihren besonderen Sprachstil oder auch ihre eigene Auffassung von Gott. Gott hat sein Wort unterschiedlichen Autoren anvertraut. Andererseits gibt es eine erstaunliche Einheit der Heiligen Schrift – obwohl die Autoren so verschieden waren und zu unterschiedlichen Zeiten gelebt haben. Und es gibt Hauptthemen, die sich wie rote Fäden durch die gesamte Schrift ziehen. Wer Gottes Wort als Ganzes erfassen möchte, tut gut daran, bei solchen thematischen Lebensadern, bei solchen Nervenbahnen der Selbstkundgabe Gottes zu beginnen. Aus vielen möglichen biblischen Hauptthemen wurden in der Orientierungsbibel sieben ausgewählt:

• Gott redet
• Erwählung
• Bundesschlüsse
• Gott befreit
• Gottes Liebe, Gottes Zorn
• Die Antwort des Menschen
• Hinweise auf den Messias

Für jedes dieser Themen sind zwischen 40 und 80 Bibeltexte ausgesucht worden, die jeweils in einer Textbox an der entsprechenden Stelle kommentiert werden. Die Kommentare zu jedem Thema sind untereinander verknüpft, sodass sich eine thematische Kette ergibt. Wo auch immer man in der Orientierungsbibel auf eine kommentierende Textbox stößt, kann man von dort aus den roten Faden zu diesem Thema nach rückwärts oder vorwärts weiterverfolgen. Dazu dient die Angabe der in der Kette vorausgehenden und folgenden Bibelstellen am Ende jeder Textbox. Für jedes der sieben Themen gibt es in Kapitel III dieser Einführung eine theologische Zusammenfassung. Dort steht auch, mit welcher Schriftstelle jeder der sieben roten Fäden startet und welche Bibelstellen zu jedem Thema behandelt werden.

 

7. Die Einführungen zu den biblischen Büchern

Vor jedem biblischen Buch steht in der Orientierungsbibel eine kurze Einführung. Sie enthält keine umfassende Darstellung der Verkündigung des betreffenden Buches, sondern bietet lediglich eine Inhaltsangabe. Das wird es erleichtern, in das Buch hineinzufinden. Außerdem werden die wichtigsten Personen, die in diesem Buch vorkommen, und die wichtigsten Orte aufgezählt. Mit manchen vielleicht fremdartig klingenden Eigennamen dieses biblischen Buches kann man sich so schon einmal vertraut machen.

 

8. Der Anhang

Im Anhang dieser Ausgabe finden sich sowohl Artikel zum Verstehen der Bibel als auch Übersichten und Diagramme, z.B. über Textgattungen, Personen, Reisewege und Orte in der Bibel. Die Farbseiten im Anhang enthalten Zeittafeln, Landkarten und Grundrisse.

 

9. Ausklappseiten

Am Ende dieser Bibel sind zwei Ausklappseiten angefügt. Jeweils eine davon kann so ausgeklappt werden, dass sie stets neben der aufgeschlagenen Bibel sichtbar ist. Die eine Seite enthält eine Übersicht über die Könige Israels und Judas zur Zeit des Alten Testaments. Beim Lesen der Königsund Chronikbücher kann man so die einzelnen Berichte leichter einordnen. Die andere Ausklappseite bietet einen Überblick über die Abfolge der heilsgeschichtlichen Epochen.

 

Die Orientierungsbibel

Die Orientierungsbibel

Endlich eine Bibelausgabe, die jeden Text in den großen Zusammenhang stellt. Die faszinierende Einheit von Gottes Wort wird erkennbar, ohne dass die Vielfalt verwischt wird.
Übersichtsgrafiken auf jeder Seite zeigen den Aufbau jedes biblischen...

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