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Symposium „Zwischen Furcht & Freiheit“ zur christlichen Erziehung 


 

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Christliche Erziehung ist weit besser als ihr Ruf

Fast zwei Jahre lang haben Tobias Künkler und Tobias Faix mit ihrem Team geforscht und Eltern befragt. Durch eine großzügige Finanzierung der Stiftung Christliche Medien hat das Marburger Forschungsinstitut Empirica der CVJM-Hochschule über zwei Jahre lang an diesen Fragen geforscht und 1750 christliche Väter und Mütter befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie wurden bei einem Symposium am Samstag, den 11. Februar 2017 von 10-17 Uhr in der Campushalle in Kassel vorgestellt.
Die Ergebnisse der Studie sind auch im zeitgleich erscheinenden Buch „Zwischen Furcht und Freiheit – Das Dilemma der christlichen Erziehung“ nachzulesen und geben spannende Einblicke in die Realität heutiger christlicher Erziehung. Dabei geht es um folgende Themenbereiche: das Klima in der Glaubenserziehung, das Gottesbild in der Glaubenserziehung, Sexualerziehung, Gewalt in der Erziehung, Familienerziehung und Gemeinde, etc. Das Symposium wendet sich an Interessierte (besonders Eltern), ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende in Kirche, CVJM und Gemeinde, Pädagoginnen und Pädagogen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Einblicke in die gelungene Veranstaltung geben folgende Bilder und Berichte!

Was ist überhaupt christlich an einer christlichen Erziehung? Und wie sieht das praktisch aus? Welche Rituale werden heute in Familien gelebt? Auf welche Weise versuchen Eltern, ihren Glauben weiterzugeben? Und was verändert sich? Die Erziehung oder das Christliche? Über zwei Jahre lang hat das Forschungsinstitut empirica an diesen Fragen geforscht und 1750 christliche Väter und Mütter befragt. Die Ergebnisse geben spannende Einblicke in die Realität heutiger christlicher Erziehung. Immer wieder geht es um die Spannung, den Kindern einerseits Freiheit geben, sie aber andererseits unbedingt zum Glauben führen zu wollen. 


Stimmen von Teilnehmer*innen:

„Ich habe das Symposium als Gelegenheiten für einen kinderfreien Tag genutzt, aus dem ich mit neuer Motivation für den Alltag mit unseren Kindern herausgehe. Ich bin dankbar für die schönen Begegnungen, vielseitigen Impulsen und vor allem die Ermutigung an erster Stelle in Beziehungen zu investieren – zu unseren Kindern sowie zu unserem Schöpfer.“ Johanna Müller

„Das Symposium hat mich erneut darin bestärkt, Wertschätzung und Anerkennung im Zentrum meiner Erziehung (als Mutter und Erzieherin) gegenüber den Kindern zu pflegen und einen Raum für Diversität zu schaffen.“ Katharina Kümmel, Fulda

Die Antwort des Dilemmas der christlichen Erziehung ist nicht in der Pädagogik zu finden, sondern in der Theologie.“ Alexander Pollhans, Freiburg

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Vorstellung der wichtigsten Ergebnisse der Studie: Künkler & Faix

Die Forscher und Autoren der Studie begannen mit dem Hinweis, dass die Prägekraft der christlichen Familie, gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und des kirchlichen Traditionsabbruchs. Zunächst wurde Zielgruppe und der methodische Ablauf der Studie dargestellt, bevor die wichtigsten Ergebnisse der Studie kompetent dargestellt wurden. Die zentrale Aussage der Studie drehte sich um das Dilemma der Glaubenserziehung zwischen Freiheit/Autonomie und Furcht/Angst. Insgesamt haben die Autoren festgestellt, dass das Erziehungsklima durch einen demokratischen und warmen Erziehungsstil und ein eher positives Gottesbild geprägt ist. Bei 87 Prozent der befragten Eltern spielt der Glaube in der Rolle der Erziehung eine große oder sehr große Rolle. Auf die Frage: „Was ist Ihnen in der Erziehung Ihres Kindes wichtig?“, werden zwei Aussagen deutlich am höchsten bewertet. Die erste ist: „Mein Kind soll lernen, dass nur der christliche Glaube zum Heil führt“, der 79 Prozent aller Befragten zustimmen. Der zweiten Aussage: „Ich möchte, dass mein Kind meinen Glaubensvorstellungen folgt“ stimmen knapp 77 Prozent aller Befragten zu. „Für mich ist es weniger wichtig, was mein Kind glaubt, solange es Freude und Stärke aus seinem Glauben schöpft.“ (nur 18 Prozent Zustimmung). Die Ergebnisse der Gesamtstudie stehen in einer gewissen Spannung zueinander. Auf der einen Seite gibt es ein wärmeres Erziehungsklima und ein vorwiegend liebevoll-emphatisches Gottesbild. Auf der anderen Seite die klaren Ziele der Eltern, dass ihr Kind ihren Glauben übernehmen soll. Die Eltern stehen somit in einem gewissen Dilemma, dem sie nicht einfach mit einem wärmeren Erziehungsklima und einem positiveren Gottesbild ausweichen können. Was passiert, wenn die Kinder trotz warmem Erziehungsklima den Glauben der Eltern nicht annehmen möchten oder Zweifel haben? Viele Eltern sind hier klar und stellen die Glaubenserziehung vor die Autonomie ihres Kindes. Werte wie „mündig werden“ oder „eigene Glaubensentwicklung“ stehen hinten an, was zwangsläufig zu schwierigen Situationen führt, da dies eigentlich gar nicht zu den Werten und Normen der befragten Eltern passt.

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Keynote: Torsten Hebel:

Der Theologe und Gründer der Blu:Boks in Berlin Lichtenberg betonte in seinem Vortrag Wichtigkeit der Wertschätzung und Anerkennung als Grundlage aller Erziehung. Das „Dilemma“ in der Glaubenserziehung entstehe vor allem durch das „aber“, so Hebel. Es sei eine ambivalente Botschaft, die Kindern oftmals gegeben wird, Gott liebe sie bedingungslos, aber sie seien Sünder und gehen verloren. Diese Doppelbotschaft sei schädlich für die Entwicklung der Kinder und Hebel rief dazu auf, auf das „aber“ in der Glaubenserziehung zu verzichten: Gott liebe Kinder bedingungslos. Punkt. Und Hebel erklärte auch, wie dies praktisch bei ihrer Arbeit in der Blu:Boks aussehe, in einem Viertel, in dem es wenig Hoffnung für Kinder gebe und sie das Ziel haben Kinder stark zu machen und das kreative Potenzial von Kindern und Jugendlichen, um ihr Selbstwertgefühl zu entwickeln und zu stärken. Weil Gott jedes ihrer Kinder bedingungslos liebe, nehmen sie auch jedes Kind bedingungslos an und so würde kein Kind rausgeschmissen werden, ganz egal was es mache. Nur Liebe und Wertschätzung haben eine transformierende Kraft und Hebel forderte die Teilnehmenden auf, dass sie Familie genau zu solchen Orten machen. 

Podiumsdiskussion

Abgeschlossen wurde der Tag mit einer Podiumsdiskussion, an der Tobias Faix und Tobias Künkler, Bettina Wendland, Redakteurin der Zeitschrift Family und Damaris Müller, Soziologin und Pädagogin an der CVJM-Hochschule teilnahmen. Geleitet wurde die Runde von Silke Gabrisch, SCM Verlag.

Bettina Wendland forderte, dass Gemeinden mehr in christliche Familienerziehung investieren müssten: „Es gibt schon viel Kinder- und Jugendarbeit, doch in Erziehungsthemen werden die Familien weitestgehend allein gelassen.“ Faix wünscht sich, dass in den Gemeinden Räume geöffnet werden: „Zum Beispiel, um über Gewalt in der Erziehung zu sprechen. Wir dürfen über die Ergebnisse keine fromme Soße kippen, dass man die Zahlen auch anders deuten könnte. Vielmehr haben wir mit der Studie diese Probleme offengelegt und damit muss in den Gemeinden nun weiter umgegangen werden!“

Als Fazit zur Studie betonte Künkler, dass der Erziehungsstilwandel, der sich in der Studie zeige, positiv zu bewerten sei: „Der Wandel im Erziehungsstil ist in den christlichen Familien angekommen. Wärme spielt in christlichen Familien eine große Rolle.“ Faix ergänzt: „Wir sollten unsere Familien feiern. Ich bin dankbar für meine Familie, auch wenn es manchmal chaotisch zugeht – oder gerade deswegen!“

Den Abschluss des kurzweiligen und informativen Tages bildete die Ankündigung, dass es im Herbst 2017 ein weiteres Buch zum Thema christliche Erziehung mit Ideen, Lösungsansätzen und Praxistipps geben werde.

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Keynote: Friedrich Schweitzer

Der Wissenschaftler: Prof. Dr. Friedrich Schweitzer "Zwischen Freiheit & Furcht: Die Ergebnisse werden wissenschaftlich eingeordnet und religionspädagogisch kommentiert".

Friedrich Schweitzer gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten und bekanntesten Religionspädagogen Deutschlands und hat sich in den letzten Jahrzehnten wie kaum ein anderer mit dem Themenkomplexen Glauben, Kinder, Familie und Gemeinde beschäftigt. Und so begann Schweitzer mit seinem Kommentar zur Studie gleichermaßen wertschätzend als auch kritisch. Schweitzer betonte den hohen Anteil an freikirchlichen Teilnehmern (%) und stellte fest, dass die Studie nicht auf den Protestantismus insgesamt zu übertragen sei, sondern den „hochreligiösen“ evangelischen Teil. Dies sei, so Schweitzer, Stärke und Schwäche der Studie zugleich. So sagte Schweitzer: „Ganz offenbar gehört die Familie zu den Bereichen, die besonders schwer zu erforschen sind. Gerade deshalb ist diese Forschung bemerkenswert und besonders zu begrüßen.“ Schweitzer lobte den Mut der Autoren, auch die Problematik von Strafen und Gewalt in der Studie zu behandeln. Es ist gut, dass die Studie auch heiklen Fragen nicht ausweicht, so Schweitzer, der feststellte, dass immerhin eine insgesamt abnehmende Tendenz zu beobachten sei. Gleichzeitig wird aber auch festgehalten, dass in einem Teil der freikirchlichen Elternschaft nach wie vor an körperlichen Strafen nicht nur faktisch festgehalten wird, sondern dass daran auch aus – vermeintlich – christlicher Überzeugung heraus gehandelt wird. Dies sei aber aus biblisch-theologischer Sicht definitiv abzulehnen. Kritisch merkte Schweitzer an, dass eine gesamtevangelische Perspektive interessant wäre, sowie eine Befragung aus Sicht der Kinder, da die Erwachsenensicht immer einseitig das Erziehungsgeschehen wiedergebe. Zum Schluss unterstrich Schweitzer die Notwendigkeit der Glaubenserziehung. Religiöse Erziehung sollte nicht nur als Anspruch der Eltern verstanden werden, sondern ganz von den Kindern her, dem Kind in der Mitte, wie Jesus es im Markus-Evangelium (Kap. 9) beschreibt. So schloss Schweitzer mit der Feststellung: „Wer einem solchen Kind dient, der dient mir; und wer mir dient, dient nicht mir, sondern dem, der mich gesandt hat – Gott selbst!“

Workshops am Nachmittag:

Am Nachmittag wurde in sechs verschiedenen Workshops zum einen das gehörte vertieft und zum anderen in die Praxis im Kontext von Familie und Gemeinde übertragen.

Workshop 1: Zwischen Furcht und Freiheit? Überlegungen zu einem konstruktiven Umgang mit dem Dilemma. Prof. Dr. Tobias Künkler & Prof. Dr. Tobias Faix haben die Studie in den letzten zwei Jahren durchgeführt und ausgewertet.

Workshop 2: Zwischen Überbewertung und Unterschätzung. Sexualpädagogik in der christlichen Familie. Katharina Brudereck ist Diplom-Psychologin & Systemische Therapeutin & Beraterin (DGsT)

Workshop 3: Sichere Kinder durch gesunde Grenzen. Sonja Brocksieper ist Diplom-Pädagogin und Fachreferentin Familie und Erziehung, Team.F & Family.

Workshop 4: Zum Selbstwert erziehen? Praxisbericht aus der Blu:box-Arbeit Berlin. Mit Torsten Hebel & Team.

Workshop 5: Kann ich meine Kinder zum Glauben erziehen? Bettina Wendland, Redakteurin der Zeitschrift Family

Workshop 6: Glaubenserziehung zwischen Familie und Gemeinde. Synergie, Konkurrenz oder Ersatz? Damaris Müller ist Soziologin und Pädagogin und ist Programm-Managerin im Studienprogramm Human Development an der CVJM-Hochschule.

Impressionen vom Symposium


Fotos: Tobias Schwab

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